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Warum ich doch noch Farb- und Stilberaterin wurde

ZoeBee

Einmal mehr meine Schwester Klara, die immer alles besser wusste als ich.
Immer musste sie mir zuflöten, was ich zu tun hatte: "Wieso wirst du nicht Farb- und Stilberaterin? Du warst auf der Kunstgewerbeschule, bist Textilentwerferin, das ist doch der perfekte Beruf für dich!"

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Nachdem ich meine Berufsausbildung ENDLICH hinter mich gebracht hatte, suchte ich eine Tätigkeit mit mehr Tiefgang. Ich war nämlich enttäuscht von den scheinbar Kreativen. Ich hatte geglaubt, sie seien voller Ideen, so wie ich. Dabei konnten sie bloss supergut kopieren. Sie zeichneten Stoffmuster sozusagen am Fliessband, so wie andere Joghurtbecherli abfüllten. Das hatte mir gehörig abgelöscht.

Ein Blumenkind voller Ideale im freien Fall

So wechselte ich radikal die Seite und arbeitete ein paar Jahre in der Sozialarbeit. Dort lernte ich Wertvolles über innere und äussere Schönheit. Eine Klientin war die quirlige Yvonne. Sie sass in einem riesigen Rollstuhl, da beide Beine irrtümlich versteift worden waren. Trotz ihrer Behinderung hatte sie sich selbständig gemacht und ein Home-Office gegründet. Mit zwei andern Behinderten zusammen: Antoinette mit Zwergwuchs und Glasknochenkrankheit und der stahlblauäugige Eugène, der als Jugendlicher Kirschen pflückte, als die Leiter nicht hielt. Seitdem war er im Rollstuhl.

Als ich dann heiratete und keine Kinder bekam, war ich verzweifelt. Was sollte ich bloss tun? Ein Leben ohne Mutter zu sein erschien mir endlos lange. Sollte ich mich selbständig machen? Aber als was? In genau diese Zeit fiel der eingangs erwähnte gut gemeinte Vorschlag meiner Schwester.

Die Perspektive, bis zur Pensionierung irgendwelche Vorgesetzte zu ertragen, war entsetzlich.

Die nicht zu toppende Herzenswärme der Beraterin

Um meinem Schwesterherz nicht schon wieder zu widersprechen ging ich folgsam in eine Farb- und Stilberatung. Ich war überzeugt, ihr hinterher zu sagen, das sei nix for me. Doch weit gefehlt. Ich war bei der liebsten Beraterin, die man sich denken kann: Rita Sacco. Sie begann mit der Stilberatung. Mein Körper und meine Gesichtszüge wurden genau begutachtet.
Aha, ich habe einen natürlichen Hauptstil mit zwei Noten, einer weiblichen und einer dramatischen.
Etwas komische Namen und recht theoretisch. Aber irgendwie doch: Passt.

Beim Farbentest falle ich vom Zwölfmeter

Dann folgt die Bestimmung meines Farbentyps. Wasssss bitte nein, meine wunderschöne, selbstgebastelte rüeblirote Mähne sollte falsch sein, ich bräuchte ein violett?
Hilfe.
Doch es wird noch besser: Mein Lieblingspulli, Ein praktisches Einfamilienhaus, den ich fast Tag und Nacht trage, herrlich olivgrün und weicher Plüsch mit viel zu langen Ärmeln (ok, er fiel bereits bei der Stilanalyse durch) soll falsch sein? Rita erklärt mir meine Farben, ich bin ein Wintertyp mit lebhaften Farben. Zu mir passen Fuchsia, Smaragd, Royalblau, Violett? Wenigstens Schwarz ist dabei, das ist tröstlich.
Ich atme kaum. Innerlich wetze ich in Sekundenschnelle durch die gesamte Garderobe und seufze.
Meine Orange, Beige, Oliv, Ecru, Ziegelrot - alles fällt durch.

b2ap3_thumbnail_2101.JPGDie unverhoffte Rettung beim Schminken

Als ich die Beratung machte, war ich ein zartes Blüemli von etwa 30 Jährchen, ein Ex-Hippie in Grösse 34, der sich nur sporadisch schminkte. Und jetzt, hier, heute, bekomme ich das ganze Programm von Make-up über Lidschatten bis Wangenrouge.
Wie ich meine Metamorphose im Handspiegel verfolge, wird mir immer wärmer.
Statistisch gesehen kann es noch keine Wallung sein.
Der absolute Höhepunkt dann, als Rita mir - vor dem grossen Spiegel - eine um die andere der bisher so fremdartigen Winterfarben nochmals um mein Gesicht drapiert und mir jedes Mal einen Moment Zeit lässt, damit ich mich an mich selber gewöhnen kann. Rita erklärt, dass eine einzige Make-up-Farbauswahl zu allem passt, auch zu Pink und Rot. Das finde ich cool.

Weisst du was: es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich echt schön finde! Ich bin platt.

Tja, wie es dann so geht bei solchen Geschichten

Mein Selbstwertgefühl ist in diesen vier Stunden deutlich gewachsen. In der Hand halte ich alle verwendeten Produkte inklusive Pinsel. Obwohl ich nichts hatte kaufen wollen, klar doch, ich stand auf die grüne Pflanzenlinie von Maurice Mességué. Meine Schwester Klara hatte also einmal mehr Recht. Das nennt sich das "ältere-Schwestern-Syndrom". Ein paar Monate später drängelte sie immer noch. Ich versuchte mich herauszureden: "Weisst du was: wenn ich einen fixen Auftrag habe, werde ich die Ausbildung machen."

Was tun, wenn das Herz juckt

Diese für mich teure Ausbildung juckte mich schon ein wenig, denn die Beratung hatte mir deutlich mehr gebracht, als ich mir hätte vorstellen können. Die Umwelt reagierte stark auf meine optische Veränderung, die Komplimente taten erstens schampar gut und bestärkten mich zweitens, dass es halt schon stimmen musste. Ein Faktor war natürlich auch, dass ich nicht aussah wie Grace Kelly. Sie sähe wohl auch im trübsten Schlamm und Khaki bezaubernd aus. Aber alle Nicht Grace Kelly-Typen gewinnen deutlich, wenn sie sich farb- und typgerecht stylen. Jedenfalls machte mein Selbstvertrauen Wachstumsschübe und ich genoss die Komplimente.

b2ap3_thumbnail_ZN_Top-Selection-7.jpgDer erste Erfolg

Damals war die Farb- und Stilberatung in der Schweiz ungefähr so bekannt wie heutzutage das Upcycling von blauen Nylonschnüren aus dem Weltall. Ich bewarb mich bei der Klubschule Migros in Bern um einen beständigen Auftrag als Kursleiterin: Infovorträge über die Farb- und Stilberatung. Ich hatte Glück, sie wählten mich aus - nun musste ich für die Ausbildung antraben. Danke Migros, dank dir habe ich meine Berufung gefunden!

Die beste Ausbildung der Welt

Damals war die Ausbildung natürlich viel kürzer und weniger komplex als heute. Ist ja klar, ich habe sie im 1986 absolviert, da muss sich ja einiges geändert haben bis heute. Damals konnte man auch noch keine eidgenössische Berufsprüfung abschliessen. Für mich war es ein Abenteuer, das mich total packte. Ich wusste, dass ich damit ein Business aufbauen wollte. Tja, und das habe ich dann auch getan.

Unbeschreiblich! Es ist, wie wenn du heimkommst, obwohl du vorhin gar nicht wusstest, dass dort dein Zuhause ist.

 

b2ap3_thumbnail_2041_20151003-184726_1.JPGHeute bin ich eine Art Mammut im FSFM

Zugegeben, mein Leben bestand hauptsächlich aus Arbeit. Aber wenn man mit Leidenschaft und Begeisterung tut, was man tut, dann ist es keine Belastung. Natürlich arbeite ich noch heute oft und ohne mit der Wimper zu zucken und absolut unglamourös bis spät in die Nacht am PC. Ich bin glücklich, ausgefüllt und zufrieden mit meinem Leben. Keine Bitterkeit, kein "hätte ich nur", kein Burnout. Im Gegenteil, Neugierde und Energie wie damals als 30jährige und Lust auf Leben, Lust auf Abenteuer und Lust am Lernen.

So richtig arbeitslos bin ich nur, wenn ich schlafe.

Fazit

  • Es gibt Menschen, die es gut meinen, und die mehr und besser sehen als wir selber! 
  • Das Leben meint es gut, auch wenn es im Moment manchmal anders zu sein scheint!
  • Eine Typberatung kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben!
  • Die Berufung kommt manchmal ganz unbemerkt!
  • Leute mit künstlerischem Hintergrund sind für diesen Beruf nicht begabter als ein Newcomer!
  • Ohne Fleiss kein Preis, aber was man mit Begeisterung tut, belastet nicht sondern verleiht Flügel!


Im 2. Teil, welcher Mitte November aufgeschaltet wird, verrate ich, wie man mit dieser Ausbildung ein herrliches Business aufbauen kann.

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Montag, 20. November 2017