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Sind Tätowierungen ok?

b2ap3_thumbnail_IMG_8711.JPGFrüher waren nur Piraten, Harley Davidson-Töffahrer oder Rocker tätowiert. Heute güxelt bei fast jedem und jeder irgendwo etwas Geritztes bzw. Gestochenes hervor. Die Studios florieren, es gibt richtige Künstler. Die Entfernungs-Studios florieren auch. Auf dem Foto ein zukünftiger Untätowierter mit beinahe ex-Adler nach der dritten Behandlung. Schmerzhafte Sache. Und nicht gratis. Der Vorteil ist nur, dass die früheren Farben einigermassen weggehen, was bei den heutigen schwieriger ist.

Tätowierungen sind Geschmackssache, säuseln die Gegner mit leicht heruntergezogenen Mundwinkeln und unbewegtem Gesichtsausdruck und wechseln geflissentlich das Thema. Anders die horrend zunehmende Liga der "Mein Körper gehört mir"-Mentalität. Die ritzt und blutet, leidet und blecht, was das Zeug hält. Dieses öffentlich einsehbare Bilderbuch besteht aus den persönlichen Lieblingsdingerchen wie Büsi oder Schlange, dem Sternzeichen der Verflossenen oder der etwas stümperhaft rankenden Spezia rara dem Bauchnabel entlang. Meine Oma zeigte der Familie nach den Ferien stets eine abendfüllende Diashow mit 476 Sonnenuntergängen. Das Summen dieses Wackelgeräts liegt mir noch heute in den Ohren. Heute hingegen hebt man unter Freunden den Pulli an oder rollt das Hosenbein hoch: wow, so schön, das neuste Tatoo! Abendfüllend wird es bis ins hinterletzte Detail seziert und kommentiert und alle sind glücklich und freuen sich aufs nächste Stechen im Salon bei Luis, Sandra oder wie sie alle heissen.

Ich muss meine Fantasie zurückbinden, sie will sich immer vorstellen, wie diese Tätowierungen "später" mal aussehen, oder bei sonstigen gewichtigen Veränderungen. Ich kenne eine Jemand mit zwei süssen kleinen Eichhörnchen im linken Décolleté. Die Frau nahm zu und die Eichhörnchen mutierten zu Riesenkröten. Sie leidet.  

Heute überdeckt man alte Tätowierungen mit einem deutlich grösseren Motiv in dunkleren oder intensiveren Farben. Dass diese Farben nicht aus Randen- oder Ananassaft bestehen ist wohl auch klar. Wenn das neue Motiv gestochen ist, startet das Immunsystem eine Riesenattacke auf die Fremdkörper, um sie abzubauen. Leider gelingt dies nicht. Als Alternative baut es eine Eiweisskapsel um die Pigmente, damit sie nicht in den Körper gelangen. Die Nieren dürfen die Giftstoffe dann abbauen. Als hätten sie nichts Gescheiteres zu tun.

Was sagen die Farb- und Stilberaterinnen dazu? Man kann einwenden, es komme auf den Beruf und die Funktion des Jeweiligen an. Aber wer weiss denn schon, was in einem, zwei Jahren sein wird? Könnte es nicht sein, dass man es bereut oder dass die Tätowierung sogar der Grund für eine Nichtanstellung, eine Nichtbeförderung oder eine Nicht-grosse-Liebe-Beziehung wäre? Dabei wäre dies alles vermeidbar. Denn wenn sich jemand tätowieren lassen will, dann plädiere ich für Körperstellen, die im Berufsleben immer bedeckt sind. Und man wähle "neutrale" Motive und nicht Menschen oder Namen. - Aber eure Meinung zu diesem Thema interessiert mich sehr!

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Montag, 20. November 2017