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Der weibliche Stil

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Natürlich sind alle Frauen weiblich, jedenfalls punkto Geschlecht. Aber nicht jede Frau hat auch einen weiblichen Kleiderstil. Genau so wenig wie eine Frau mit einem dominant weiblichen Stil auch vom Charakter her superweiblich zu sein braucht.

Es kann sein, dass eine Frau mit weiblichem Stil auch von ihrer Persönlichkeit her ein Schmusekätzchen ist, muss aber nicht!

Wenn Sie die früher erschienenen Stilberschreibungen gelesen haben, dann wissen Sie, dass wir den Stil anhand des Körperbaus, der Gesichtsform und der Gesichtszüge eruieren. Man kann also durchaus weiblichen Geschlechts sein, aber der Stil ist alles andere als weiblich.

Stil drückt sich in der Bekleidung aus, aber auch in der Frisur, in der Art des Make-ups, in den Schuhen, dem Schmuck, der Brillenform - in ganz vielem. Sogar in der Stoffwahl, der Farbwahl und der gewählten Stoffmuster.

Wissen Sie, woran man ganz leicht erkennt, ob jemand einen weiblichen Hauptstil hat? Ich zeige Ihnen hier mal eine typisch weibliche Figur.

Diese Frau vereint ganz viel, was den weiblichen Stil ausmacht:

  • Oberste Priorität ist eine schlanke Taille: Hat sie!
  • Ein weich gerundetes Becken: Hat sie!
  • Kleider wirken sinnlicher als Hosen: Hat sie!
  • Schwarz: könnte auch farbiger sein, Rot, Metallic, aber Schwarz ist auch ok.
  • Lange Haare: Hat sie!
  • Betontes, verführerisches Make-up: Hat sie!
  • Hohe Absätze: Hat sie!
  • Dekollete: Stellen wir uns vor.

Ich glaube, das ist die junge Ava Gardner, ein sehr weibliches Gesicht. Keine Ecken und Winkel, alles weich, schmachtende Augen mit ellenlangen Wimpern, eine fein geformte Nase und üppige Lippen.

Hier ist nun auch ein typisch weibliches Dekollete. Das war noch vor Zeiten von Photoshop, es muss also echt sein. Beachten Sie, wie weich die gerundeten Schultern und der Halsansatz geformt sind.

Ebenfalls typisch, der Schmuck: aufwändig, verziert, reich.

Auch der Kragen steht nur dem weiblichen Stil: Er ist mondän drapiert und trotzdem lieblich. Ein Kragen, der schmückt und selber Schmuck ist.

Frauen dieses Stils liiieben ihr Haar und wenden viel Energie, Geld und Zeit auf, um das Maximum herauszuholen. Es sind nicht die Frauen, die ihrem Frisör sagen: "Nun mach mal, ich will jetzt die Gala lesen." Nein, im Gegenteil. Findet sie ihre Frisur missraten, leidet sie sprichwörtlich.

Wenn möglich, trägt sie ihr Haar lang. Oft hat sie Naturwellen oder Locken. Manchmal wurde ihr sogar eine Löwenmähne geschenkt. Ihr Drama ist, wenn das Haar irgendwann geschnitten werden muss oder wenn es aus andern Gründen ausfällt. Das ist für sie echt schlimm und das ist nicht zynisch gemeint.

Auf diesem Bild ist auch das Make-up sehr gelungen: Weiblich geschminkte Lippen, fast ein Schmollmund. Man beachte die dunkler eingeschatteten äusseren Lippenwinkel, welche den Effekt boosten. Dann natürlich die ausdrucksstarken Augen. Die ohnehin langen und geschwungenen Wimpern wurden mit künstlichen verstärkt.

Das erinnert mich an Marilyn Monroe, die den weiblichen Stil wie keine Zweite verkörperte. Sie liess sich immer sechs Wimpern an den äusseren Augenwinkeln aufkleben, schräg nach aussen. Wer einen ebenso unwiderstehlichen Blick wie die MM will, mache dasselbe.

Ich geb's ja zu, es gibt deutlich schönere Bilder von ihr, dafür kann man die zwölf Geklebten quasi mitzählen. Der Rest ist echt.

Berühmte weibliche Frauen sind nebst Marilyn Monroe auch Liz Taylor, Brigitte Bardot, Gina Lollobrigida, Sophia Loren (mit viel Dramatik), Monica Bellucci, Ornella Muti, Laetitia Casta und natürlich... Kim Kardashian.

So würde eine Frau mit weiblichem Hauptstil NIE herumlaufen: Weisses Kleid, schwarze Strümpfe, rote Schuhe.

Never ever. Diese Frau hat viel zu viel Geschmack, Rafinesse und Finesse.

Sie verbringt Stunden mit ihrer Schönheit bzw. damit sie das Maximum aus sich herausholt.

Sie mag und geniesst es, aufzufallen. Ja, sie mag den grossen Auftritt.

Alles an ihr ist beachtlich: Ihre Schuhsammlung, ihre Stiefel-Famillie, ihre Schmuckschatulle, die Anzahl ihrer Cremetöpfe und Schminkprodukte, die Nagellackpalette, die schön eingerollten Strümpfe, der überquellende Kleiderschrank, die Taschen in Hülle und Fülle, einfach tutti.

Sollte sich auf ihrem Handy die App Meteo Swiss befinden, dann nicht, weil sie morgen auf den Finsterlihardsimmentheresliberg hoch will sondern damit sie weiss, welche Schuhe sie anziehen wird.

​Eines ihrer Lieblingshobbys ist das Shoppen. Sie liebt Mode, sie liebt es, zu wissen, was es wo gibt und sie liebt es, stundenlang Schuhe, Taschen und Klamotten anzuprobieren.

Ich kenne viele Frauen mit Hauptstil weiblich. Ihnen allen ist ein guter Geschmack eigen. Sie wissen beispielsweise instinktiv, wie sie auf einem Bild gut aussehen. Wie macht man das?

Sie können stehen, sitzen, gehen - man ist immer hin und weg. Ich jedenfalls. Sogar wenn sie die Steuererklärung ausfüllen hat man das Gefühl, es gehe um Erdbeerkonfitüre.

Oder wie der Komponist Georg Kreisler über seine Frau schrieb: 

Sie ist ein herrliches Weib, sie ist ein göttliches Weib!
Wenn ich sie seh', lacht mir gleich die Seele im Leib
Sie ist ein herrliches Weib, sie ist ein einziges Weib!
Sie hat a obr'e Partie und eine unt're Partie
Und eine Anatomie wie eine Straußmelodie
Und eine Physiognomie und eine Geographie.
Und wenn ich denk wie ich mir jetzt die Nächte vertreib...
Die Worte gehen mir aus, wenn ich sie länger beschreib.
Sie ist ein herrliches Weib, sie ist ein köstliches Weib!

Die Prints sind gerundet, geschwungen, irgendwie nett und freundlich, sonnig. Typisch sind ineinanderfliessende, weiche Blumenmuster oder natürlich auch grosse Punkte. Sie mag aber auch Einfarbiges, aber die Details müssen stimmen und ihr zusagen: Schnittführung, Knöpfe, Gürtelschnalle.

Sie mag Stoffe, die man gerne berührt. Sie dürfen auch glänzen. Ihr stehen fliessende, weiche Gewebe und Kuschelstricks. Typisch ist Viscose, weicher Jersey, edel glänzende Baumwolle.

Klar trägt sie auch Jeans, aber bitte mit Sahne mit Stretch und irgendwo braucht sie etwas Neckisches. Sei es Bling-Bling, eine Verzierung, ein wenig Sex-Appeal im Schnitt oder so. Einfach alles ausser bieder und gewöhnlich.

Was sie nicht so mag? Strenge, allzu maskuline Linienführungen. Steifes, knittriges Leinen findet sie uncool. Und um unförmige Zeltschnitte macht sie einen grossen Bogen.

Sie mag Farben!

Ihr Farbenspektrum umfasst alles: Rose, Pink, Rottöne, warme Braun und beige, warme Grün, Blau, sogar Gelb und natürlich Schwarz.

Wofür die Frau mit weiblichem Hauptstil sich immer wieder neu entflammt? DESSOUS...

Höschen, BH's, ein Traum von Body, seidenweiche, zarte Gebilde aus Spitze, Stickerei, Tüll, Satin, Seide. Ihr kleines Geheimnis, das sie direkt auf der Haut trägt.

Ja, wenn die weibliche Frau älter wird, ist es manchmal schwierig für sie. Zum Beispiel die erste Brille. Weniger hohe Schuhe. Das weiss spriessende Haar. Dann natürlich die Falten. Die Schwerkraft des Körpers. Manchmal kleidet und schminkt sie sich aus lauter Verzweiflung immer noch wie vor vierzig Jahren, siehe Brigitte Bardot oder Sophia Loren.

Es braucht viel Fingerspitzengefühl, um sie bei diesem Schritt zu unterstützen. Natürlich nur, wenn sie es selber auch will.

Weibliche Frauen leiden oft mehr als andere unter dem älter werden und ich finde, es ist unsere Pflicht als Farb-, Stil- und Imageberaterinnen, sie darin ernst zu nehmen. Flapsige Sprüche wie: "Ach, man gewöhnt sich daran" oder "das geht doch allen so" sind verletzend und kein Zeichen von Mitgefühl.

Besser ist, durch offene Fragen herauszufinden, was genau das Problem ist bei beispielsweise der Brille. Und ihr dann konkrete Vorschläge machen. Dazu braucht man Bildmaterial, Zeitschriften, Internet und man muss wissen, wo was ist, damit die Kundin sich nicht langweilt.

FAZIT:

  • Unschwer zu erkennen: Ich mag diesen Stil!
  • Frauen mit Hauptstil Weiblich sind anspruchsvoll und eitel. Sie begnügen sich nicht mit Mittelmass und "irgendwie". Sie haben hohe Erwartungen an die Beratung und ans Make-up, da sie selber schon viel wissen.
  • Man muss sie gewinnen, ihr Vertrauen gewinnen. Dabei helfen ehrlich gemeinte Komplimente, gute Fragen und ein solides Beraterwissen.
  • Der weibliche Stil trägt alles weiblich, sogar einen Trainingsanzug. Will heissen die Sneakers dürfen glitzern, der Reissverschluss ist verziert, der Schnitt ist tailliert.
  • Ganz wichtig sind weiche, fliessende, "liebe" Materialien, die man gerne berührt. Und natürlich Stretchmaterialien.


Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, melden Sie sich bei oder lesen Sie die bisher erschienenen Blogs zu den verschiedenen Damenstilen:


Einführung Stilberatung

Der dramatische Stil

Der klassische Stil

Der sportliche Stil

Blutjung war gestern: Was kann ich im Sommer anzie...
Wow, wie Nancy sich veränderte!

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Samstag, 18. November 2017