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Minimalismus trifft Kleidung (Rezension)

Minimalismus Trifft Kleidung Pia Mester ebook 01 CKWer mich ein wenig kennt weiss, dass mich das Unkonventionelle wie magnetisch anzieht. Pioniere, Abenteurer, Sonderlinge und Eigenbrötler bringen mich zum Nachdenken und oft sogar zum Träumen. Manchmal auch nur heimlich. Ich mag die Unverstandenen, die ihrer Zeit voraus sind. Menschen, die irgendwie anecken. So erging es mir bei Pia Mester.

Ihr Motto ist: Weniger, langsamer, bewusster - moderne Lebenskunst abseits des Konsumzwangs.

Wenn ich solches lese, denke ich: Puuh, will ich jetzt nicht wissen. Kaufzwang? Geht an mir vorbei. Inzwischen weiss ich, dass dieses Instant-Verharmlosen genau das Gegenteil bedeutet. Und dass mir das Thema ein birebitzeli unangenehm ist. 

In Facebook habe ich zufälligerweise von ihrem neuen Buch gelesen: Minimalismus trifft Kleidung. Titel o.k., aber löst noch nichts aus. Doch gleich darauf, als sich meine Augen in den Untertitel verliebten, war es um mich geschehen. Da steht doch tatsächlich:

In 4 Wochen zum Kleiderschrank voller Lieblingsstücke

Das ist für mich ungefähr so, wie wenn ich nach nur vier Wochen fliessend Südkantonesisch sprechen könnte. Ordnung schaffen in vier Wochen, das kann ich mir gut vorstellen. Aber dass der Schrank dann voller Lieblingsstücke sein soll?! Voller Lieblingsstücke! Geht das?! Ich will es wissen, schreibe der Pia Mester und sie schickt mir gleich ein Rezensionsexemplar.

Pia Mester ist übrigens freie Journalistin, Texterin und Autorin und lebt in Deutschland. In ihrem Blog Malmini beschäftigt sie sich mit Minimalismus, Lebenskunst, Konsumverhalten und Persönlichkeitsentwicklung.

Wie alles begann

Pia Mester schreibt: "Vor zwei Jahren öffnete ich Tür meines Kleiderschrankes und wurde begraben unter einem Berg Pullover. Beim Einräumen fiel mir auf: 2/3 davon ziehe ich gar nicht mehr an. Ich ging weiter zu meinem Bücherregal, auf das ich bis dahin immer stolz gewesen war: Auch davon brauchte ich die meisten nicht. Dabei war das alles mal teuer, ich musste lange arbeiten, um mir das kaufen zu können.

Diese Erkenntnis brannte sich irgendwie in mein Bewusstsein ein. Und das schlechte Gewissen, denn ich wusste ja, dass diese Dinge umsonst hergestellt wurden, wenn ich sie nicht benutzte. Damals hatte ich noch keine Bezeichnung für diesen Lebensstil. Doch dann stieß ich im Internet auf Blogs von Minimalisten. Und ich wusste:

Minimalismus, das ist es!

Das war der Beginn ihres neuen Lebensstils. Sie ist überzeugt, dass weniger mehr ist. Das sind wir Farb- und Stilberaterinnen ja auch. Aber dann schiebt sie nach:

Trage nur, was du liebst!

Diese Aufforderung hingegen ist ziemlich gewagt für unseren Berufsstand. Denn wie oft ermuntern wir unsere Kundschaft, nicht nur auf das Kleidungsstück zu schauen sondern vielmehr, wie sie darin zur Geltung kommen - oder eben nicht. Unsere Meinung ist, dass die Ausstrahlung, die Persönlichkeit im Vordergrund stehen sollte und nicht das Kleidungsstück. Denn man kann sehr wohl einen Lieblingspullover haben, der einem überhaupt nicht steht, weder von der Form her, noch vom Material, geschweige denn von der Farbe. Aber lassen wir es mal einfach so stehen.

Dort, wo andere Entrümpelungsmethoden enden, geht es in diesem Buch erst so richtig los, schreibt Pia Mester. Ihre Methode übertreffe die Frage bei weitem, ob wir ein Kleidungsstück noch brauchen oder nicht. Behauptet sie. Nun, nachdem ich das Buch gelesen habe, gebe ich ihr Recht. Ihr Buch ist lesenswert, auch für Farb- und Stilberaterinnen. Wen das Thema Entrümpeln, Ordnung im Kleiderchaos schaffen und darüber hinaus grundsätzliche und teilweise gewagte Fragen rund um Besitz, Verzicht und Loslassen interessieren, der wird den Buchkauf nicht bereuen.

Speziell empfehlenswert fand ich folgende Themen:

  • Woher weiß ich, was ich behalten sollte und was ich weggeben kann?

    Dazu erfolgen viele hilfreiche Tipps inklusive Kleidungs-Tagebuch sowie eine Checkliste.

  • Wie entrümple ich richtig und sinnvoll?
    Wertvolle Tipps zur sinnvollen und systematischen Entrümplung mit Checkliste.
  • Wie finde ich meinen eigenen Stil?
    Tipps und Ideen, die FSFM-Profis natürlich professioneller anbieten. Aber Pia Mester hat auch gute Gedanken, besonders die "Alltagsuniform" und das Experimentieren fand ich ganz interessant. Und auch da wieder eine Checkliste.
  • Wie schaffe ich es, zukünftig gescheit und zielgerichtet zu shoppen?
    Lesenswerte Einkaufshilfen, Verhaltenstipps und wertschätzende Ermutigungen.
  • Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung (die funktioniert), Fragebögen, Arbeitsblätter, weiterführende Texte.
    Speziell die Struktur und der Buchaufbau haben es mir angetan: einfach und umsetzbar!
  • Das Buch gibt es als Taschenbuch, E-Book in den Buchläden und Onlineshops zu kaufen. Preis eBook CHF 6.90.

Fazit

Die Vier-Wochen-Anleitung ist ein Konzept, durch das ich mich als Frau und Mensch abgeholt und verstanden fühle. Da auch wir Farb- und Stilberaterinnen für ein bewussteres Einkaufsverhalten einstehen, kommt es uns entgegen. Die Anleitung funktioniert und ist praktisch durchführbar - ich habe es selber ausprobiert. Ergänzt mit unserem Wissen über die Farb- und Stiltypen sowie über das Bekleidungs-ABC ist das Buch von Pia Mester eine wertige Ergänzung.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Vier-Wochen-Aktion als Dienstleistung für Imageberaterinnen ergänzend angeboten wird. Auch zum Personal Shopper passt sie hervorragend. Sicher ist unser Blick teilweise differenzierter oder gewichten wir ein wenig anders, aber von den Grundzügen her entspricht das Buchkonzept durchaus dem unsrigen. Das Einzige, was ich bedaure, ist die wie gewohnt nicht überströmend wertschätzende Haltung der Farb- und Stilberatung gegenüber, die in Unwissen begründet ist. Wir kennen es zur Genüge: Wer sich selber nie eine Sitzung bei einer Farbberaterin geleistet hat, kann gar nicht ermessen, wieviel Mann und Frau dadurch gewinnt. Das "Vorher-Nachher" ist echt verblüffend. Schade Pia, dass wir uns nicht im Vorfeld kennen lernten und auch unseren Blickwinkel einfliessen lassen konnten!

http://malmini.de/

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