Back to Top
 

Der FSFM am Herbsttreffen in St. Gallen

ModeDas Verbandstreffen begann im Textilmuseum St. Gallen. Wir besichtigten die Ausstellung „Fluor Floralis“.

Wer gut Geschichten erzählen kann, dem sind die Zuhörer gewiss. So geschehen, als uns die Führerin des Textilmuseums mit auf eine spannende Zeitreise nahm und den Zusammenhang zwischen Gartenplänen und Stoffgestaltung gekonnt erklärte.
Es war der Gartenbau im Mittelalter (820 n. Chr.), der zu ersten floralen Stoffmotiven inspirierte. Und die Lilie war die erste Blume, die auf Stoff gestickt wurde, da die Rose zu sehr an Jesus Dornenkrone erinnerte. Erst im 19. Jahrhundert, in der Romantik, wurde die Rose rehabilitiert und avancierte zur unangefochtenen Nummer Eins der Blumenmotive.

Mit jeder neuen Epoche veränderte sich auch die Gartengestaltung. Und mit ihr synchron die Stoffmotive. Beeindruckend, wie präzise und kunstvoll die Blumen gestickt wurden. Heute sind der Gartengestaltung und den Mustern keine Grenzen mehr gesetzt. Die Moderne hat ausgeklügelte Techniken entwickelt, allen voran der Fotoprint.

Auch erfuhren wir vom Aufschwung der St. Galler Stickerei. Es waren türkische Frauen, die den St. Gallern das Sticken mit Gold- und Silberfäden beibrachten. Bis Ende des 19. anfangs 20. Jahrhunderts, war die St. Galler Stickerei wichtigster Exportartikel und machte 60 % vom gesamten Weltmarkt aus. Der Niedergang wurde eingeläutet mit der Weltwirtschaftskrise in den 20-er Jahren.

In den elegant gestalteten Ausstellungsräumen wird auch dem bekannten St. Galler Modedesigner Albert Kriemler Rechnung getragen. Wussten Sie, dass seine Grossmutter Firmengründerin war? Sie startete erfolgreich mit dem Verkauf von Schürzen, verziert mit St. Galler Stickerei. Ihr Name : Alice Kriemler Schoch. Heute besser bekannt unter: AKRIS.

Die elegant gestaltete, kurzweilige Ausstellung lohnt sich! Sie dauert noch bis 1. März 2016. Nähere Infos unter: Furor Floralis

Textiles bleibt auch am Verbands-Nachmittag Thema

Welche Rolle spielt die Farbenauswahl im Kleider-Einkaufsgeschäft? Die Präsidentin des FSFM Zoë Bee interviewt Brigitte Glättli, Vorstandsmitglied des FSFM.
Als ehemalige Einkäuferin von DOB eines renommierten Kleidergeschäftes, weiss Brigitte Glättli, warum grosse Geschäfte das Gewicht nicht vermehrt auf kalttonige Kleider legen.

Das Farben-Thema ist für Einkäufer unwichtig.

Der Einkauf konzentriert sich auf die Verkaufszahlen, es interessiert der Abverkauf. Ist er gut gelaufen, bestellt man wieder die gleiche Stückzahl mit denselben oder ähnlichen Kleidern.

Die verantwortlichen Einkäufer der Modehäuser haben andere Schwerpunkte, auf die sie achten: Stoffe, Materialien, Trendaspekte, Muster, Marken. Zudem sind viele Einkäufer an den Meetings anwesend, die nur für einzelne Bereiche zuständig sind z.B. für Pullover, Hosen oder Jacken. Sie fokussieren sich auf ihren Bereich. Farben nach den vier Jahreszeiten auszusuchen, spielt keine oder untergeordnete Rolle.

Kommt hinzu, dass die Macher selbst sich an der Stoffmesse orientieren. Sie kaufen, was ihnen gefällt. Sie sind zu weit weg vom Verkauf, vom End-verbraucher. Allerdings ist das die Chance für kleine Geschäfte, mit weniger Kleidern auf optimale Farbnuancen zu setzen und so mehr Absatz zu erzielen.

Von den Einkäufern zu den Machern

Wie entsteht ein Stoffmuster?

Es war ihre Mutter, die Zoë Bee inspiriert und beeindruckt hat mit der Liebe zur Malerei. Die Freude an Farben und das Flair für Formen vererbte sich weiter an die Tochter. Zoë Bee lernte ursprünglich Texilentwerferin. Sie lebte ihre Kreativität aus, verwirklichte ihre Fantasie, dachte jedoch weder an Mode noch an den späteren Endverbraucher. Der Beruf wurde früher als Textilentwerferin bezeichnet, heute: Textiltechnologe/-in EFZ-Design.

Wie kommt das Muster auf den Stoff?

Zuerst einmal: Stoffdruck ist alles, was gedruckt ist.
Es beginnt mit der Idee, Kreativität und Vorstellungskraft. Dann wird das Muster auf Papier gebracht. Es benötigt aber auch Genauigkeit und ein Gefühl für die richtige Platzierung, damit das Muster später gleichmässig über den Stoff verteilt wird oder auch versetzt richtig wirkt. Die Präzision ist massgebend, damit eine nahtlose Fläche mit dem zu erstellenden Muster entsteht. Ein guter Rapport gleicht Formen und Farben gleichmässig aus, um ein möglichst ruhiges Erscheinungsbild zu erreichen.

Stoffmuster werden für 3 Jahre im voraus gefertigt.

Kolorit. Steht einmal das Muster fest, wird der Stoff verschieden eingefärbt. Dadurch wird eine unterschiedliche Wirkung mit dem gleichen Muster erzielt. Jedes Muster besteht aus mehreren Farben. Pro Farbe wurde eine Folie erstellt. Hatte man also ein Muster mit z.B. 10 Farben, ergab dies 10 Folien, die übereinander gelegt 50 mm-genau passen mussten für den späteren Druck.

Heute gibt es Maschinen, die die Farben maschinell messen. In der Textilfachschule Zürich gibt es beispielsweise eine. Es ist eindrücklich zu sehen, wie stark sich die Farben bei verschiedenen Lichtquellen zusätzlich verändern. Uns als Farbberaterinnen "tüpfen" dann immer gleich leise Zweifel, ob wohl wir die Farben immer genau unterscheiden und zuordnen können. Wohl kaum.

Drucklappen: Bevor das Stoffmuster sein Okay erhält, wird zuerst von jeder Farbe, die das Dessin enthält, im Originalstoff eine oder mehrere Druckproben erstellt, um zu sehen, wie sich der Stoff verhält.

  • Die verschiedenen Druckverfahren
  • Bemalen, Batik, Abbinden = keine Druckverfahren
  • Flachdruck Model, Kartoffel, Linol, Holz, Siebdruck usw.
  • Hochdruck ältestes Verfahren: Buchdruck
  • Tiefdruck speziell Rotationsdruck
  • Durchdruck: Offsetdruck
  • Digitaldruck

An der Stoffmesse „Première Vision“ in Paris werden Stoffe 2 Jahre im voraus bestellt. Einkäufer aller Marken orientieren sich an dieser Ausstellung und entscheiden, was für Stoffe später Mode sind.

Wie entsteht eine Kollektion?

Die dipl. Modedesignerin Mirjam Schuppli erklärt uns, wie sie bei ihrer Diplomarbeit vorgegangen ist. Inspiration und Kreativität sind Voraussetzung, Kleider entstehen im Kopf. Ihre Ideen holte sie sich von Magazinen, Blogs, Menschen, Reisen, Natur. Dinge, die sie mag. Und notierte sich alles.

Nach Durchsicht ihrer Ideen, legte sie ihr Thema fest, schrieb dazu auf, was ihr einfiel. In ihrem Beispiel war es Licht und Schatten, Hell und Dunkel, geometrische Formen.

Im nächsten Schritt skizzierte sie ihr Thema, mögliche Kleidungsstücke. Auch Collagen wurden gefertigt. Schnittmuster waren der nächste Schritt, Abformen am Modell vorgenommen, Material, Stoff ausgesucht. Und dann ging es an die Umsetzung, das Nähen.

Das Fotoshooting und die Inszenierung ihrer Kleider krönten ihre bemerkenswerten Kreationen.

Designer haben es schwer. Wer bekannt werden will, versucht, bei einem bekannten Modeschöpfer unterzukommen. Im Praktikum muss viel geleistet werden für wenig Verdienst. Talent und Durchhaltewille, aber auch etwas Glück bestimmt über die weitere Zukunft eines Designers…

Wir freuen uns auf das nächste Verbandstreffen vom Montag, 7. März 2016 in Bern (Hauptversammlung).
Denn diese spannenden Themen bringen uns Farb- und Stilberaterinnen weiter, der Austausch unter uns Kolleginnen ist es, der bereichert.

Wie man die Augen der Frauen garantiert zum Glänze...
Die schönsten Braut-Make-ups

Ähnliche Beiträge

 

Kommentare

Wie finden Sie diesen Blog? Bitte schreiben Sie den ersten Kommentar.
Gäste
Donnerstag, 23. November 2017